So ticken die Schotten

Philipp Klucznik
von Philipp Klucznik

Überall kursiert das Klischee der britischen Höflichkeit, Freundlichkeit und der Attitüde des „Being Sophisticated“ – also des Vornehmen Auftretens der Inselbewohner. Ich bin ganz ehrlich… als ich das letze mal in Groß Britannien war habe ich den gleichen Touri-Fehler wie jedermann begangen, denn ich glaubte die Stadt in der ich mich befand, spiegelt das gesamte Land in seinem Flair, Leben und Kultur wieder. Genau, ich war in London. Eine pulsierende Stadt mit vielen Menschen aller Herkunft, Religion und Abstammung. Dieser positive Eindruck blieb auch bei mir bestehen, als ich meine Entscheidung für den Ort bzw. das Land meines Auslandssemester traf. Es sollte für mich auf diese Insel gehen.

Hier angekommen merkte ich jedoch schnell, dass nicht viel vom britischen Schick übrig geblieben war. Keine Sorge, mir ist und war klar, dass London weder in Schottland liegt, noch Groß Britannien widerspiegelt, dennoch war ich überrascht, wie wenig „Sophisticated-ness“ in Schottland steckt.

Was mir als erstes auffiel war, dass die Schotten nicht das wunderbar vornehme Oxford-English sprechen, sondern eher eine Mixtur aus gerolltem „R“, enormer Geschwindigkeit während des Sprechens und eigener Worte wie „wee“ (müsst ihr selber herausfinden, was das heißt) an den Tag legen, welche dem betrunkenen Sprech-Flow der Schotten in die Karten spielt. Dies kann ich durch einige Selbsttests bestätigen.

Des Weiteren sind Schotten ein sehr freundliches Volk. Streift man versehentlich jemanden auf der Strasse, hört man sofort ein „Sorry“, selbst, wenn man selbst der Grund für den Zusammenstoß war. Mittlerweile ist das auch bei mir so drin, dass ich mich für alles entschuldige was um mich herum passiert. Letztens bin ich versehentlich gegen einen Türrahmen gelaufen und habe umgehend bei selbigem um Verzeihung gebeten. Geht man in einen Shop um Lebensmittel zu kaufen, wird man stets mit einem freundlichen „How are you?“ begrüßt, was einem anfangs sehr positiv stimmt. Allerdings muss ich auch sagen, dass diese Freundlichkeit doch eher Teil der Kultur bzw. eine Floskel ist, als wirkliches Interesse an meinem Wohlbefinden. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht ob ich das ausschließlich positiv finde. Verdeutlicht wird dies durch die Tatsache, dass die Schotten eher verschlossen wirken, wenn man ihnen näher kommt und es lang dauert bis sie sich einem öffnen.

Den Grundfehler, den man begehen kann ist versehentlich die Schotten als Engländer zu bezeichnen. Unterläuft einem dieser Fauxpas ist das Gespräch binnen Sekunden beendet. Man merkt einfach, dass die Schotten ein sehr stolzes Völkchen sind, geprägt durch eine lange Geschichte und vielen Traditionen, sowie eine weitreichende Kultur. Schottland ist nicht England, Wales oder Nord-Irland. Schottland ist anders. Es ist ein Land verschiedenster Eindrücke, Erlebnisse und Geschichten. Ebenso verschieden, wie seine Bewohner.

Noch als kleine Ergänzung – Solltest auch du ein Auslandssemester machen, wird dir ziemlich schnell auffallen, dass du recht wenig mit den Einheimischen zu tun haben wirst. Denn wenn ich ehrlich bin, verbringe ich die meiste Zeit mit den Internationals aus meinem Wohnheim bzw. meinen Kommilitonen aus aller Welt. Ich muss sagen, dass die meisten Menschen, die ich hier getroffen habe um einiges offener sind als die, die ich aus meiner Heimat kenne. Ich denke das rührt daher, dass die ganzen Internationals im selben Boot sitzen und daher eher miteinander verbunden sind und schneller in Kontakt treten.

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