Gott und die Philippinen

Julia De Haney
von Julia De Haney

Weder Buddhismus noch Hinduismus, nein wer hätte es gedacht: der Großteil der Philippinen ist tatsächlich Katholisch. Da fühl ich mich als Bayer ja fast schon wie zu Hause, sollte man denken. Da ich jedoch in München aufgewachsen bin und meine Familie mich nicht katholisch erzogen hat, bin ich mit dem Katholizismus zwar vertraut, aber habe ihn noch nie so wirklich stark mitbekommen. Und jetzt trifft es mich hier in Südostasien und  ich werde so viel mit dem Thema Religion konfrontiert, wie noch nie in meinem Leben.

Religion in der Universität

Gebetskette
Gebetskette

In der Ateneo University, hängt in jedem Vorlesungsraum ein Kreuz. Sehr hat mich das Ganze nicht verwundet, da auch wir in Bayern in der Schule in fast jedem Klassenzimmer ein Kreuz hängen hatten. Die erste Sache die sich von Deutschland unterscheidet ist, dass hier viele Dozenten vor dem Unterricht zusammen mit den Studenten beten. So wird zum Beispiel in meiner International Marketing Klasse jedes Mal vor Beginn ein Gebet gesprochen. Dieses Gebet wird meistens vom Dozenten manchmal aber auch von Kommilitonen aufgesagt. In dem Gebet geht es dann darum, was man sich für den heutigen Tag erhofft, oder allgemeine Wünsche, wie Gesundheit, Wachsamkeit etc…

Da ich selber nicht katholisch bin, stehe ich zwar mit auf, überlasse das Beten aber dann doch lieber den anderen Studenten. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Uni eine eigene Kirche besitzt, in welcher regelmäßig Gottesdienste gehalten werden, vor allem an katholischen Feiertagen. An solchen Tagen wird in der ganzen Uni mit Plakaten für die Messe geworben.

Wie zeigt sich der Katholizismus im Alltag?

Am Sonntag wird hier auf den Philippinen nicht erstmal in Ruhe gebruncht, nein die meisten Filipinos gehen Sonntag in die Kirche. Hierbei handelt es sich dann nicht nur um die ältere Generation, auch die Leute in unserem Alter stehen an diesem Tag extra früh auf, um noch in die Morgen-Messe gehen zu können. Ein anderes Merkmal für den Katholizismus hier in den Philippinen, sind die vielen Rosenkränze. 90% der Taxis und Autos, in denen ich hier saß, haben einen solchen um den Rückspiegel hängen.

Wo Menschen vor Friedhöfen Schlange stehen

Am 01. November war hier, wie auch in Deutschland, der katholische Feiertag „Allerheiligen“. An Allerheiligen gehen alle Filipinos auf den Friedhof um für die Verstorbenen zu beten. An diesem Tag habe ich mit einem einheimischen Freund versucht auf einen der vielen Friedhöfe in Manila zu gehen. Nach gefühlt zwei Stunden in der Schlange stehen (bei 30 Grad) haben wir es dann doch aufgegeben und sind zurückgegangen. Ich habe mich zu dem Zeitpunkt eher wie auf dem Oktoberfest an einem Samstagnachmittag gefühlt, denn die Masse an Menschen die versucht hat an diesem Tag auf einen Friedhof zu kommen, war wirklich unbeschreiblich.

Auch auf Facebook spielt Religion eine große Rolle. Seit dem ich viele philippinische Facebook-Freunde habe, wird mein Newsfeed von Gebeten und Bibelzitaten überschwemmt.

„Merry Christmas“ im Oktober

Weihnachtsdekoration
Weihnachtsdekoration

Und nun zum für mich amüsantesten Teil des Ganzen. Die Filipinos lieben Weihnachten. Natürlich sind auch wir in Deutschland große Weihnachtsfans, aber die Filipinos treiben das Ganze auf die Spitze. So läuft zum Beispiel schon seit mehr als einem Monat Weihnachtsmusik in den ganzen Einkaufszentren und öffentlichen Plätzen. Laut den Filipinos dauert Weihnachten hier drei Monate. Dem ist wirklich so, die Straßen sind schon festlich geschmückt und man bekommt Weihnachtsdekoration seit Oktober in jeder Ecke. Ich wurde sogar schon von fremden Leuten auf der Straße angesprochen, die mir einfach nur „Merry Chrismas“ gewünscht haben – und das Ende Oktober. Dementsprechend bin ich wirklich schon sehr gespannt, was hier im Dezember so los sein wird.

Alles in Allem wurde ich hier jedoch nie schief angesehen, wenn ich berichtet habe, dass ich nicht getauft wurde und auch nicht an Gott glaube. Die Filipinos sind sehr offene Menschen und waren meist eher interessiert wie es sich denn so anfühlt an „nichts“ zu glauben.

Für mich kann ich  jedenfalls sagen, dass mich die Philippinen ein Stückchen näher an den Katholizismus herangebracht haben. Ich verstehe ihn nun mehr und mir ist etwas bewusster, warum die Leute Glauben und was es ihnen persönlich für Hoffnung und Stärke bringt.

– Join the adventure! –


Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.